Was Elternzeit über ein Leben gerechnet kostet: Gehalt, Rente, und was in 30 Jahren fehlt

Die sichtbaren Kosten sind ein Jahr weniger Einkommen, abgefedert durch Elterngeld. Die unsichtbaren Kosten sind alles, was danach weiterwirkt: spätere Gehaltssprünge, die Teilzeitjahre, die nie gesammelten Rentenpunkte und das nie angelegte Ersparte.

Die sichtbaren Kosten der Elternzeit sind ein Jahr mit weniger Einkommen, abgefedert durch das Elterngeld. Die unsichtbaren Kosten sind alles, was danach weiterwirkt und sich verzinst: die Gehaltssprünge, die später kommen, die Teilzeitjahre, die folgen, die Rentenpunkte, die nie entstehen, und das Ersparte, das nie angelegt wird. Für den Elternteil mit der längeren Auszeit, in Deutschland immer noch weit überwiegend die Mutter, ist der Lebenszeitunterschied regelmäßig sechsstellig. Dieser Artikel trennt, was der Staat ersetzt, was er leise gutschreibt, und was niemand ersetzt.

Dieser Artikel ist Information, keine Finanz- oder Rechtsberatung. Alle Beispielzahlen sind Illustrationen, keine Vorhersagen.

Jahr eins: Der Teil, den das System ordentlich abfedert

Das Elterngeld ersetzt rund 65 Prozent deines bisherigen Nettoeinkommens, zwischen 300 und 1.800 Euro im Monat, für 12 Monate, oder 14, wenn beide Eltern mindestens zwei übernehmen (Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz). Eine Anspruchsgrenze betrifft gut verdienende Haushalte: Seit April 2025 besteht oberhalb von 175.000 Euro zu versteuernden Einkommens gar kein Anspruch mehr. Und die Deckelung wirkt: Wer deutlich über dem Durchschnitt verdient, liegt effektiv weit unter 65 Prozent. Trotzdem ist Jahr eins der gut ausgeleuchtete Teil des Problems: Kosten und Ausgleich stehen beide auf einem Bildschirm der Banking-App.

Die Rentengutschrift: real, und regelmäßig überschätzt

Für jedes Kind schreibt die gesetzliche Rente dem erziehenden Elternteil bis zu drei Jahre Rentenpunkte gut, als hätte er den Durchschnittslohn verdient (Kindererziehungszeiten, §§ 56, 249 SGB VI). Das ist eine echte, wertvolle Leistung, und sie bedeutet: Die ersten drei Jahre sind auch ohne eigenes Einkommen teilweise geschützt. Zwei Dinge werden daran regelmäßig missverstanden. Die Gutschrift entspricht ungefähr einem Durchschnittsverdienst, sodass ein Elternteil, der vorher deutlich mehr verdient hat, weniger gutgeschrieben bekommt, als er verdient hätte. Und sie deckt drei Jahre pro Kind, während die Karriereeffekte unten oft zehn und mehr Jahre laufen. Zugeordnet wird die Gutschrift dem Elternteil, der das Kind überwiegend erzogen hat; Paare können gemeinsam erklären, wer das ist.

Jahr zwei bis zwölf: Wo die echten Kosten wohnen

Statistisch ist der teure Teil der Elternzeit nicht die Elternzeit. Es ist das Muster danach: die Rückkehr in Teilzeit, die langsamere Beförderung und eine Gehaltskurve, die ihren alten Pfad nie wieder einholt. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2024 bei 16 Prozent, und der Abstand der eigenen Rentenanwartschaften zwischen Männern und Frauen lag 2023 bei 27,1 Prozent (Statistisches Bundesamt). Keine der beiden Zahlen entsteht in Jahr eins; beide werden vom langen Teilzeitjahrzehnt danach dominiert. Teilzeit sammelt anteilige Rentenpunkte: Zehn Jahre mit 50 Prozent sind fünf Durchschnittsjahre an Punkten, die einfach nie erscheinen.

Eine Illustration, als solche beschriftet

Nimm einen Elternteil mit 4.000 Euro brutto im Monat, der ein Jahr Elternzeit nimmt und danach zehn Jahre mit 60 Prozent arbeitet, mit üblicher Rückkehr in Vollzeit danach. Verglichen mit einer ununterbrochenen Erwerbsbiografie liegt der direkte Gehaltsunterschied über diese elf Jahre bei rund 240.000 Euro brutto vor Lohnwachstum: 48.000 für das Elternzeitjahr, von dem das Elterngeld einen gedeckelten Teil ersetzt, und 192.000 über die zehn Teilzeitjahre. Der Rentenunterschied ist kleiner, als diese Zahl vermuten lässt, weil die Kindererziehungszeiten einen großen Teil des frühen Verlusts auffangen: Verrechnet man die Gutschriften mit den entgangenen Punkten, liegt der lebenslange Unterschied in der Größenordnung von 90 bis 150 Euro im Monat beim aktuellen Punktwert. Und hätte dieser Haushalt auch nur ein Viertel des Nettounterschieds angelegt, fehlt zum Ruhestand nach Jahrzehnten Zinseszins zusätzlich ein fünf- bis niedrig sechsstelliger Betrag. Diese Zahlen verschieben sich mit jeder Eingabe, und genau das ist der Punkt: Die Form ist universell, die Größe ist persönlich.

Der Haushaltsblick verändert die Frage

Als Verlust einer Person gelesen, klingen die Zahlen oben wie eine Warnung vor der Elternzeit. Auf Haushaltsebene werden sie zur Gestaltungsfrage: Die Elternzeit- und Teilzeitjahre erzeugen Familienarbeit, die beide Partner in Anspruch nehmen, während die Kosten auf der Abrechnung und dem Rentenkonto eines Partners landen. Haushalte, die die Zahlen gemeinsam sehen, stellen bessere Fragen: welche Aufteilung der Monate den Haushalt am wenigsten kostet, ob der arbeitende Partner den Rentenunterschied direkt ausgleicht, und was zehn Prozentpunkte mehr Teilzeit über 30 Jahre verändern. Für die Ausgleichsfrage gibt es etablierte Mechanismen, von der Zuordnung der Kindererziehungszeiten bis zum Rentensplitting; unser Artikel zum Gender Pension Gap geht die Hebel im Detail durch.

Sieh deine eigene Version, nicht die Illustration

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Quellen

  • Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG), §§ 1, 2, 2c, 15: gesetze-im-internet.de/beeg
  • SGB VI, §§ 56, 249 (Kindererziehungszeiten): gesetze-im-internet.de/sgb_6
  • Deutsche Rentenversicherung, Kindererziehungszeiten: deutsche-rentenversicherung.de
  • Statistisches Bundesamt, Gender Pay Gap 2024 und Gender Pension Gap 2023: destatis.de

Häufig gestellte Fragen

Kann ich vor der Geburt die Steuerklasse wechseln, um mehr Elterngeld zu bekommen?
Ja, das ist legal und verbreitet: Das Elterngeld wird aus dem Netto berechnet, und es zählt die Steuerklasse, die in der Mehrheit der zwölf Monate vor der Geburt galt, bei Müttern vor Beginn des Mutterschutzes (§ 2c BEEG). Der Wechsel muss deshalb früh passieren, mindestens sieben Monate vorher, weshalb Foren den Rat wiederholen, die Steuerklasse gleich nach dem positiven Test zu wechseln. Die höhere Einbehaltung beim anderen Partner gleicht sich über die Steuererklärung weitgehend aus.
Wie viel darf ich während der Elternzeit arbeiten?
Bis zu 32 Stunden pro Woche, ohne den Schutz der Elternzeit zu verlieren, und in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten besteht ein Anspruch auf Teilzeit während der Elternzeit (§ 15 BEEG). Das Elterngeld wird dann gegen das Teilzeiteinkommen neu berechnet.
Bringt das Elterngeld selbst Rentenpunkte?
Nein. Der Rentenschutz der frühen Jahre kommt aus den Kindererziehungszeiten, nicht aus dem Elterngeld. Es sind zwei getrennte Systeme mit getrennten Anträgen, und genau deshalb lohnt es sich, die Gutschriften aktiv zu prüfen, statt sie anzunehmen.
Wie ungewöhnlich ist es, dass der Vater die längere Elternzeit nimmt?
Statistisch sehr: Mütter beziehen im Schnitt rund 14,6 Monate Elterngeld, Väter rund 3,6 (Zahlen für 2022, die Reihe hat sich seitdem kaum bewegt), und die meisten Väter nehmen genau die zwei Partnermonate. Genau deshalb lohnt die Haushaltsrechnung: Die übliche Aufteilung ist eine soziale Konvention, kein finanzielles Optimum, und für viele Haushalte ist die Konvention über 30 Jahre auch die teurere Variante.

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