Reicht das, was du heute verdienst und besitzt, für die Rente?
Niemand kann diese Frage mit einer Faustregel beantworten, aber fast alle können sie mit vier Zahlen beantworten, die sie schon haben: die bisher erworbene Rente, die heutigen Ausgaben, die Lücke dazwischen und die Jahre, die das Ersparte tragen müsste.
Niemand kann diese Frage mit einer Faustregel beantworten, aber fast alle können sie mit vier Zahlen beantworten, die sie schon haben oder anfordern können: die Rente, die du bisher erworben hast, deine heutigen Ausgaben, die Lücke zwischen beidem und die Jahre, die dein Erspartes diese Lücke tragen müsste. Dieser Artikel zeigt, wie du die Antwort für deinen eigenen Haushalt zusammensetzt, und warum die beliebten Abkürzungen gerade in Deutschland in die Irre führen.
Dieser Artikel ist Information, keine Finanz- oder Rechtsberatung. Er beschreibt, wie du deine eigene Lage einschätzt; er empfiehlt weder Produkte noch Zielwerte.
Fang mit dem Brief an, den du vermutlich abgeheftet hast
Sobald du fünf Beitragsjahre hast und 27 bist, schickt dir die Deutsche Rentenversicherung jedes Jahr eine Renteninformation (§ 109 SGB VI). Sie enthält die drei zentralen offiziellen Zahlen zu deiner künftigen Rente: was du heute bekämst, wenn du nicht mehr arbeiten könntest, was du zur Regelaltersgrenze bekämst, wenn du nie wieder einen Cent einzahlst, und eine Hochrechnung, falls du weiter einzahlst wie bisher. Nimm die mittlere Zahl als deinen Boden und die Hochrechnung als Basisszenario. Findest du den Brief nicht, kannst du deinen Verlauf online anfordern. Für Paare gilt: Ihr braucht beide Briefe, denn in Rente geht der Haushalt, nicht eine Person.
Drei Abzüge, die der Brief nicht für dich macht
Die Hochrechnung im Brief ist eine Bruttozahl im heutigen System. Bevor du sie mit deinen Ausgaben vergleichst, zählen in Deutschland drei Anpassungen. Erstens Kranken- und Pflegeversicherung: Rentnerinnen und Rentner zahlen Beiträge auf die gesetzliche Rente, das kostet rund 12 Prozent vom Brutto (§ 237 SGB V). Zweitens Steuern: Deutsche Renten sind zunehmend steuerpflichtig; wer 2026 in Rente geht, muss 84 Prozent der Rente versteuern, und der Anteil steigt für jeden späteren Jahrgang, bis er 2058 bei 100 Prozent liegt (§ 22 EStG). Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt vom gesamten Alterseinkommen ab. Drittens Inflation: Über zwanzig Jahre nehmen schon 2 Prozent Inflation rund ein Drittel der Kaufkraft. Jede ernsthafte Antwort auf die Frage nach dem Reichen muss in realen Werten nach Abzügen gerechnet sein.
Ausgaben im Ruhestand: gemessen, nicht geraten
Die gängige Abkürzung sagt, du brauchst 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens. Für deutsche Haushalte ist diese Zahl oft in beide Richtungen zugleich falsch: Wohnkosten können deutlich sinken, wenn der Kredit vor dem Ruhestand endet, während Gesundheitskosten und für manche die private Pflegevorsorge steigen. Die bessere Methode ist unspektakulär: Nimm deine tatsächlichen heutigen Ausgaben, streiche, was nachweislich endet (Kreditraten mit bekanntem Enddatum, Kinderkosten, Arbeitswege, das Sparen selbst), ergänze, was absehbar beginnt, und behandle den Rest als fortlaufend. Damit hast du eine Monatszahl in heutigen Euro, die du neben die bereinigte Rentenzahl legst.
Die Lücke, und was sie füllt
Rente minus Ausgaben ergibt entweder einen Überschuss oder eine Versorgungslücke. Eine Lücke ist kein Urteil, sondern ein Gestaltungsparameter. Sie lässt sich füllen mit Kapital (grob: Jahreslücke mal Anzahl der Ruhestandsjahre, angepasst um Erträge während des Ruhestands), mit betrieblicher Altersversorgung, mit Mieteinnahmen, mit einem Jahr längerem Arbeiten (das die Lücke von beiden Seiten verkleinert: mehr Punkte, weniger zu finanzierende Jahre) oder mit niedrigeren Ausgaben. Jeder Hebel hat andere Kosten und ein anderes Risiko, und der ehrliche Vergleich wird erst sichtbar, wenn alle in einer Projektion stehen.
Warum das eine Simulation braucht, keinen Rechner
Jede Zahl oben hängt mit den anderen zusammen: Ein Jahr später in Rente verändert die Rente, die Steuer, die Versicherungsbeiträge und die zu finanzierenden Jahre, gleichzeitig, für zwei Personen. Ein Einzweck-Rentenrechner friert alle Variablen bis auf eine ein, und genau so werden Haushalte mit großer Sicherheit falsch. Miravel hält deinen ganzen Haushalt in einem Modell, projiziert ihn über Jahrzehnte, zeigt die Versorgungslücke und die Entscheidungspunkte und benennt jede Annahme, auch die wirklich unsicheren wie Anlagerenditen. Gleiche Eingaben, gleiche Zahlen, bei jedem Lauf; wo etwas eine Schätzung ist, steht es dabei.
Quellen
- § 109 SGB VI (jährliche Renteninformation): gesetze-im-internet.de/sgb_6
- Deutsche Rentenversicherung, die Renteninformation verstehen: deutsche-rentenversicherung.de
- § 22 EStG (Besteuerungsanteile nach dem Wachstumschancengesetz): gesetze-im-internet.de/estg
- § 237 SGB V (Beiträge der Rentnerinnen und Rentner): gesetze-im-internet.de/sgb_5
- Statistisches Bundesamt, Einkommens- und Verbrauchsstichprobe: destatis.de
Häufig gestellte Fragen
- Ist die Hochrechnung in der Renteninformation realistisch?
- Sie schreibt den Durchschnitt deiner Beiträge der letzten fünf Jahre fort und zeigt Beispielanpassungen von 1 und 2 Prozent. Sind deine letzten Jahre untypisch, etwa durch Elternzeit, ein Sabbatical oder eine frische Gehaltserhöhung, erbt die Hochrechnung diese Verzerrung. Behandle sie als Basisszenario aus deiner jüngeren Vergangenheit, nicht als Versprechen.
- Was ist mit den Schlagzeilen zum Rentenniveau von 48 Prozent?
- Diese Zahl beschreibt einen statistischen Standardrentner mit 45 Durchschnittsverdiener-Jahren im Verhältnis zum aktuellen Durchschnittslohn. Sie ist ein politischer Indikator, nicht deine Ersatzquote. Deine eigene Zahl kann weit darüber oder darunter liegen, und deshalb schlägt der Blick in deinen Brief den Blick in die Nachrichten.
- Ich habe studiert und im Ausland gearbeitet. Schaden diese Lücken?
- Sie erscheinen als fehlende Monate. Manche Lücken zählen auf bestimmte Wartezeiten, ohne Geld zu bringen: Schule und Studium nach 17 zählen in Grenzen auf die 35-Jahre-Wartezeit, nicht auf die fünfjährige Mindestzeit. Auslandszeiten können über EU-Recht oder Abkommen zählen. Die Lösung ist unbürokratischer als gedacht: Kontenklärung beantragen und den Verlauf korrigieren lassen, solange Nachweise leicht zu finden sind.
- Zählt mein ETF-Depot als Rente?
- Es zählt als Kapital, das über einen Entnahmeplan in monatliches Einkommen übersetzt werden muss, und das heißt: mit expliziten Annahmen zu Rendite, Inflation und Dauer des Ruhestands. Jedes Werkzeug, das aus einem Depot eine Monatszahl macht, trifft diese Annahmen; die einzige Frage ist, ob es sie dir zeigt. Bestehe darauf, sie zu sehen.
Miravel legt deine erworbene Rente, deine Ausgaben und dein Vermögen in eine Projektion über Jahrzehnte und zeigt dir die Versorgungslücke mit sichtbaren Annahmen. Die Daten bleiben in deinem Browser. Jetzt kostenlos starten.