Ein Kind kommt: Was sich finanziell wirklich ändert

Elterngeld, Kindergeld, Kitakosten, Steuerfreibeträge: Was ein Kind für einen deutschen Haushalt finanziell bedeutet, ist komplexer als eine einzelne Zahl. Hier ist das Gesamtbild.

Wenn Eltern gefragt werden, was ein Kind kostet, nennen viele Kitagebühren und Windeln. Die eigentliche Veränderung ist eine andere: ein Kind verändert dein Haushaltseinkommen strukturell, über Jahre. Nicht nur im ersten.

Kindergeld: 259 Euro pro Monat, automatisch

Seit Januar 2026 beträgt das Kindergeld 259 Euro pro Monat für jedes Kind, unabhängig von der Geburtsreihenfolge (§ 66 EStG). Es wird von der Familienkasse ausgezahlt und läuft bis zum 18. Geburtstag des Kindes, oder bis 25 bei Ausbildung oder Studium.

Kindergeld und Kinderfreibetrag schließen sich steuerlich aus. Das Finanzamt prüft im Rahmen der Steuererklärung, was für dich günstiger ist, und verrechnet entsprechend. Wer gut verdient, profitiert oft mehr vom Freibetrag.

Kinderfreibetrag: 9.756 Euro für Ehepaare

Der steuerliche Kinderfreibetrag liegt 2026 bei 9.756 Euro pro Jahr für zusammenveranlagte Ehepaare (§ 32 EStG). Darin enthalten: der Freibetrag für das Existenzminimum des Kindes (6.828 Euro) sowie der Betreuungs- und Erziehungsfreibetrag (2.928 Euro), jeweils für beide Elternteile zusammen. Das Finanzamt rechnet automatisch nach, ob Kindergeld oder Freibetrag günstiger ist.

Ab einem gemeinsamen zu versteuernden Einkommen von grob 65.000 Euro pro Jahr beginnt der Freibetrag günstiger zu werden als das Kindergeld. Die genaue Schwelle hängt von der individuellen Steuersituation ab.

Kitakosten: sehr unterschiedlich, je nach Bundesland

Kita ist in Deutschland Ländersache. Die Spanne reicht von beitragsfrei (Berlin, Hamburg) bis über 600 Euro pro Monat (Bayern, Baden-Württemberg, teils NRW) für einen Ganztagsplatz. Hinzu kommen oft Essensgeld, Materialkosten und Anmeldebeiträge.

Ein Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz besteht ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Den Platz zu bekommen ist eine andere Frage. Viele Familien überbrücken die Zeit mit einer Tagesmutter, die je nach Region ähnlich oder teurer ist.

Was Elterngeld und Elternzeit für das Einkommen bedeuten

Elterngeld ersetzt 65% des Nettolohns der Person in Elternzeit, maximal 1.800 Euro pro Monat. Wie die Berechnung genau funktioniert und warum der erste Bescheid oft überrascht, erklärt der Ratgeber zu Elternzeit und Elterngeld ausführlich.

Für das Haushaltseinkommen wichtiger als die Elterngeldberechnung ist oft die Frage: wer geht wann in Elternzeit, und wie lange? Denn die Elternzeit bestimmt, wie lange ein Einkommen teilweise wegfällt. Und das zieht sich.

Was zusammenkommt: ein mittlerer Haushalt

Ein Beispiel: Haushaltseinkommen 70.000 Euro brutto pro Jahr, Mutter in Elternzeit für 12 Monate. Elterngeld rund 1.300 Euro pro Monat (statt vorher rund 2.100 Euro netto). Kindergeld 259 Euro. Kitakosten ab dem zweiten Lebensjahr: rund 350 Euro pro Monat (Bundesdurchschnitt, Destatis 2024). Netto-Effekt im ersten Jahr: Haushaltseinkommen sinkt trotz Elterngeld und Kindergeld um rund 500 bis 700 Euro pro Monat.

  • Elterngeld: 65% des bereinigten Nettos der Person in Elternzeit, maximal 1.800 Euro.
  • Kindergeld: 259 Euro pro Monat (Familienkasse, ab Januar 2026, § 66 EStG).
  • Kinderfreibetrag: 9.756 Euro für Ehepaare, verrechnet gegen Kindergeld (§ 32 EStG, BMF 2026).
  • Kitakosten: 0 bis über 600 Euro pro Monat, stark bundeslandabhängig.
  • Progressionsvorbehalt: Elterngeld ist steuerfrei, erhöht aber den Steuersatz auf das verbliebene Einkommen.

Miravel simuliert, wie sich ein Kind auf dein Haushaltseinkommen auswirkt: mit Elterngeld, Kindergeld, Kitakosten und Steuereffekten zusammen, für deine konkrete Situation.

Das erste Jahr ist selten das teuerste

Die eigentliche finanzielle Belastung beginnt oft nach dem ersten Jahr: wenn Kitakosten einsetzen, wenn eine Person dauerhaft in Teilzeit wechselt, wenn der Kinderfreibetrag und die Steuerlast sich verschieben. Das Gesamtbild zeigt sich erst über mehrere Jahre.