Rentenlücke: Warum du weniger bekommst als du denkst
Die gesetzliche Rente ersetzt im Schnitt rund 48% des letzten Nettoeinkommens. Was das konkret für dich bedeutet, hängt von Beitragsjahren, Einkommen und dem Zeitpunkt der Rente ab. Hier ist, wie die Rechnung wirklich funktioniert.
Die Renteninformation, die du jedes Jahr per Post bekommst, nennt eine Zahl. Die meisten Menschen schauen kurz drauf und legen sie weg. Zu abstrakt, zu weit weg, zu viele Annahmen. Dabei steckt in dieser Zahl eine der wichtigsten finanziellen Informationen, die du über dich selbst haben kannst.
Wie die gesetzliche Rente funktioniert
Die gesetzliche Rentenversicherung sammelt Beitragspunkte, sogenannte Entgeltpunkte. Du bekommst einen Entgeltpunkt pro Jahr, wenn du genau den Durchschnittsverdienst aller Versicherten in diesem Jahr verdient hast. Verdienst du doppelt so viel, kriegst du zwei Punkte. Verdienst du gar nichts, null.
Der aktuelle Rentenwert (West) liegt 2026 bei 40,79 Euro pro Monat und Entgeltpunkt. Wer 45 Jahre gearbeitet hat und dabei immer den Durchschnittsverdienst bekommen hat, landet bei rund 1.836 Euro Brutto-Rente pro Monat. Das ist die Standardrente. Sie trifft auf die wenigsten zu.
Was die Rentenlücke verursacht
- Unterdurchschnittliches Einkommen in einzelnen Jahren, zum Beispiel während Studium, Elternzeit oder Teilzeit.
- Unterbrechungen: Phasen ohne Beiträge (Selbstständigkeit, Auslandsaufenthalt, Lücken zwischen Jobs).
- Frühzeitiger Renteneintritt: für jeden Monat vor dem regulären Rentenalter gibt es einen Abzug von 0,3%. 12 Monate früher bedeutet 3,6% weniger für den Rest deines Lebens.
- Inflation: die Rente in Euro heute ist nicht die Rente in Euro in 20 Jahren. Die Kaufkraft ändert sich.
Die 48%-Regel: Warum sie selten zutrifft
Der sogenannte Rentenniveaustabilisierungsgrad legt fest, dass die Standardrente mindestens 48% des Durchschnittsnettolohns betragen soll. Das klingt gut. Aber es ist das Niveau für jemanden mit einem vollständigen, durchschnittlichen Beitragsverlauf: 45 Jahre, genau der Durchschnittsverdienst, keine Unterbrechungen. Das sind die wenigsten.
Wer Phasen mit niedrigerem Einkommen hatte, wer Elterngeld bezogen hat, wer zwischenzeitlich selbstständig war oder im Ausland gearbeitet hat, landet deutlich darunter. 30 bis 40% des letzten Nettoeinkommens sind häufiger als die offiziellen 48%.
Rentenlücke im Haushalt: Was wirklich ankommt
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem, was du im Ruhestand ausgeben möchtest (oder musst), und dem, was du durch die gesetzliche Rente plus andere Quellen bekommst. Für viele Haushalte liegt sie bei 20 bis 40% des letzten Nettos.
Wichtig: Rente ist Brutto. Von der gesetzlichen Rente gehen noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ab, bei gesetzlich Versicherten rund 10%. Dazu kommt Einkommensteuer, wenn die Rente über dem Grundfreibetrag liegt. Was ankommt, ist spürbar weniger als die Zahl auf dem Bescheid.
Miravel berechnet deine persönliche Rentenlücke auf Basis deines tatsächlichen Einkommensverlaufs, inklusive Elterngeldzeiten, Teilzeitphasen und Selbstständigkeit. Du siehst, wo die Lücke liegt und welche Entscheidungen sie vergrößern oder verkleinern.
Wichtige Details zur gesetzlichen Rente
- Die Renteninformation zeigt Brutto, nicht Netto. Abzüge für Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern kommen noch.
- Der Rentenwert wird regelmäßig angepasst, meistens leicht nach oben. Garantiert ist das nicht.
- Beitragsjahre vor 1992 werden für Mütter mit Kindern mit Mütterrente-Zuschlägen bewertet.
- Auslandszeiten in EU-Ländern werden über das EU-Sozialversicherungsabkommen angerechnet, aber nicht automatisch. Du musst sie beantragen.
- Freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sind möglich, auch für Selbstständige und Phasen ohne Pflichtbeiträge.