Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027: Was es bringt, was es kostet, was es nicht ist
Grundzulage bis zu 540 Euro im Jahr, Kinderzulage bis zu 300 Euro pro Kind, während des Sparens keine Abgeltungsteuer. Das neue Altersvorsorgedepot klingt gut. Was beim Vergleich mit einem normalen ETF-Depot, mit Riester und mit Rürup wirklich herauskommt.
Ab 2027 können Arbeitnehmer, Beamte und zum ersten Mal auch Selbstständige in Deutschland ein staatlich gefördertes Aktiendepot eröffnen. Der Staat legt drauf: bis zu 540 Euro Grundzulage im Jahr, dazu bis zu 300 Euro pro Kind, und auf die Gewinne fällt während der Ansparphase keine Abgeltungsteuer an. Klingt nach einem klaren Ja. Die eigentliche Frage ist: für wen, und zu welchen Bedingungen?
Alle Zahlen hier sind Modellrechnungen. Sie zeigen, was das Miravel-Modell für eine konkrete Annahme errechnet: 5 Prozent nominale Rendite pro Jahr, 32 Jahre Ansparzeit, 20 Jahre Auszahlung. Bei dir sieht das anders aus, je nach Sparrate, Laufzeit, Rendite und Einkommen im Ruhestand.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifiziertes Wertpapierdepot mit staatlicher Förderung. Eingeführt hat es das Altersvorsorgereformgesetz, das am 29. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt erschienen ist (BGBl. I 2026 Nr. 156). Anbieten dürfen es zertifizierte Anbieter ab dem 1. Januar 2027.
Für neue Verträge tritt es an die Stelle von Riester. Rürup bleibt davon unberührt.
Wie funktioniert die Förderung?
Die Förderung hat drei Bausteine: die Grundzulage, die Kinderzulage und den Sonderausgabenabzug in der Steuererklärung.
- Grundzulage: gestaffelt nach deiner Einzahlung. Auf die ersten 360 Euro im Jahr legt der Staat 50 Cent je eingezahltem Euro drauf, macht bis zu 180 Euro. Auf den Teil zwischen 360 und 1.800 Euro sind es 25 Cent je Euro, macht bis zu 360 Euro. Zusammen also höchstens 540 Euro Grundzulage im Jahr. Bedingung: mindestens 120 Euro Eigenleistung im Jahr, das sind 10 Euro im Monat.
- Kinderzulage: 300 Euro pro Kind und Jahr, sofern du selbst mindestens 300 Euro im Jahr einzahlst. Die Zulage folgt deiner Einzahlung eins zu eins bis zu dieser Grenze. Zahlst du nur 200 Euro, gibt es 200 Euro Kinderzulage je Kind. Die 300 Euro sind die Obergrenze, keine Pauschale, die schon ab dem ersten Euro fließt.
- Sonderausgabenabzug: Deine Einzahlungen bis 1.800 Euro im Jahr und sämtliche Zulagen kannst du in der Steuererklärung als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt rechnet automatisch nach, ob das mehr bringt als die direkte Zulage, und du bekommst das Günstigere von beidem.
- Startbonus: einmalig 200 Euro, wenn du das Depot vor deinem 25. Geburtstag eröffnest.
Julia, 35 Jahre, zwei Kinder: 100 Euro im Monat
Julia unterrichtet in Köln, verdient 48.000 Euro brutto und hat zwei Kinder. Ab 2027 will sie 100 Euro im Monat in das neue Depot stecken. Das errechnet das Miravel-Modell für 32 Jahre bis zur Rente mit 67, bei 5 Prozent Rendite pro Jahr:
- Grundzulage pro Jahr: 390 Euro (Stufe 1: 180 Euro, Stufe 2: 210 Euro)
- Kinderzulage pro Jahr: 600 Euro (zwei Kinder, je 300 Euro)
- Staatliche Zulagen pro Jahr zusammen: 990 Euro
- Eigene Einzahlungen über die ganze Laufzeit: 38.400 Euro
- Staatliche Zulagen über die ganze Laufzeit: 31.680 Euro
- Voraussichtliches Depot-Guthaben mit 67: 173.150 Euro
- Auszahlung pro Monat, brutto: 721 Euro
- Auszahlung pro Monat, netto: 721 Euro (wenn die Depot-Auszahlung die einzige Einnahme ist und unter dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro im Jahr bleibt)
Zum Vergleich dasselbe Geld ohne Förderung: 100 Euro im Monat in einen normalen Aktien-ETF, am Ende versteuert. Daraus werden 84.450 Euro netto und 352 Euro im Monat über 20 Jahre. Macht 369 Euro mehr pro Monat mit dem Altersvorsorgedepot. Mehr als die Hälfte dieses Unterschieds geht allein auf die Zulagen zurück.
Andreas, 35 Jahre, keine Kinder: 150 Euro im Monat
Andreas entwickelt Software in Berlin, 60.000 Euro brutto, keine Kinder. Er zahlt 150 Euro im Monat ein, also genau so viel, dass die volle Grundzulage von 540 Euro im Jahr zusammenkommt.
- Grundzulage pro Jahr: 540 Euro (das Maximum)
- Kinderzulage: 0 Euro
- Staatliche Zulagen pro Jahr zusammen: 540 Euro
- Eigene Einzahlungen über die ganze Laufzeit: 57.600 Euro
- Staatliche Zulagen über die ganze Laufzeit: 17.280 Euro
- Voraussichtliches Depot-Guthaben mit 67: 185.009 Euro
- Auszahlung pro Monat, brutto: 771 Euro
- Auszahlung pro Monat, netto: 771 Euro (wenn die Depot-Auszahlung die einzige Einnahme ist und unter dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro im Jahr bleibt)
Der gleiche Betrag im normalen ETF-Depot: 126.674 Euro netto, 528 Euro im Monat. Vorteil Altersvorsorgedepot: 243 Euro mehr pro Monat. Deutlich weniger als bei Julia, weil hier keine Kinderzulage dazukommt.
Was bedeutet 'steuerfreies Wachstum' genau?
Das Depot wächst ohne laufende Steuern. Konkret heißt das: keine Abgeltungsteuer auf Dividenden und Kursgewinne während der Ansparphase. Keine Vorabpauschale, die bei einem normalen thesaurierenden ETF jedes Jahr auf noch nicht realisierte Gewinne anfällt. Und kein Steuerabzug, wenn du innerhalb des Depots umschichtest.
Das ist ein echter Vorteil. Die Vorabpauschale knabbert bei einem normalen Aktienfonds je nach Basiszins jedes Jahr ein Stück von der Rendite ab, das sich sonst weiter verzinst hätte. Über 30 Jahre läppert sich das zusammen.
Was 'steuerfrei' nicht heißt: Die Steuer fällt nicht weg, sie verschiebt sich nur. Bei der Auszahlung wird das gesamte Guthaben aus dem geförderten Teil besteuert, also Einzahlungen, Zulagen und Gewinne zusammen, und zwar als Einkommen. Wie hoch der Satz ausfällt, hängt von deinem gesamten Einkommen im Ruhestand ab. Wer neben dem Depot eine gesetzliche Rente bezieht, versteuert die Auszahlung mit einem höheren Grenzsteuersatz als im Modell oben. Wie viel genau, rechnet Miravel mit deinen eigenen Zahlen aus.
Was bei der Auszahlung gilt
Auszahlen kannst du frühestens mit 65. Früher geht es nur, wenn du die Förderung zurückzahlst. Das Guthaben fließt dann als Auszahlplan über mindestens 20 Jahre. Auf einen Schlag sind höchstens 30 Prozent drin.
Wie viel Steuer anfällt, hängt davon ab, wie viel du eingezahlt hast. Einzahlungen bis 1.800 Euro im Jahr plus alle Zulagen bilden den geförderten Teil. Was daraus ausgezahlt wird, ist voll als Einkommen zu versteuern, Gewinne eingeschlossen. Einzahlungen über 1.800 Euro im Jahr landen im ungeförderten Teil, und der wird bei monatlicher Auszahlung nur mit dem günstigeren Ertragsanteil besteuert. Die Netto-Werte in den Rechnungen oben setzen voraus, dass die Depot-Auszahlung deine einzige Einnahme im Ruhestand ist. Kommt eine gesetzliche Rente dazu, zahlst du mehr Steuern.
Riester, Rürup, Altersvorsorgedepot: drei verschiedene Produkte
Alle drei sind staatlich gefördert. Trotzdem funktionieren sie grundverschieden.
- Grundzulage: Altersvorsorgedepot 540 Euro im Jahr, Riester 175 Euro im Jahr, Rürup keine.
- Kinderzulage: Altersvorsorgedepot 300 Euro je Kind und Jahr, Riester ebenfalls 300 Euro, Rürup keine.
- Sonderausgabenabzug: Altersvorsorgedepot bis rund 2.340 Euro im Jahr (Einzahlungen plus Zulagen), Riester bis 2.100 Euro, Rürup bis 29.344 Euro (2026, vor allem für Selbstständige mit hohem Einkommen interessant).
- Kapitalgarantie: Altersvorsorgedepot keine, Riester 100 Prozent Beitragserhalt per Gesetz, Rürup keine.
- Kostendeckel: Altersvorsorgedepot 1 Prozent im Jahr (Standarddepot), Riester war historisch nicht gedeckelt, Rürup hat keine gesetzliche Grenze.
- Liquidität: Alle drei sind bis zum Ruhestand gebunden. Beim Altersvorsorgedepot und bei Riester kannst du kündigen und die Förderung zurückzahlen, günstig ist das aber nicht.
- Für wen: Altersvorsorgedepot für Arbeitnehmer, Beamte und seit 2027 auch Selbstständige. Rürup für alle, besonders für Selbstständige ohne gesetzliche Rentenversicherung.
Was Riester-Sparer jetzt wissen sollten
Riester-Verträge von vor dem 1. Januar 2027 genießen Bestandsschutz und laufen unverändert weiter: Grundzulage 175 Euro, Kinderzulage 300 Euro, Sonderausgaben bis 2.100 Euro. Neue Riester-Verträge lassen sich ab 2027 nicht mehr abschließen.
Hast du schon einen Riester-Vertrag, kannst du das Kapital in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen. Musst du nicht, kannst du aber. Verlorene Zulagen drohen dabei nicht. Ob sich der Wechsel lohnt, hängt vom alten Vertrag ab: Viele Riester-Produkte sind teuer und renditeschwach. Das neue Depot hat im Standardfall einen gesetzlichen Kostendeckel von 1 Prozent im Jahr. Eins solltest du wissen: Wer wechselt, kommt nicht zurück.
Wo kannst du ein Altersvorsorgedepot eröffnen?
Anbieter brauchen für das Altersvorsorgedepot eine Zertifizierung beim Bundeszentralamt für Steuern, und die wird erst ab 2027 erteilt. Banken, Neobroker und Fondsgesellschaften dürften dann passende Produkte auflegen. Konkrete Namen lassen sich seriös erst nach dem offiziellen Start nennen. Offizielle Quellen sind das Bundesministerium der Finanzen unter bundesfinanzministerium.de und Gesetze-im-internet.de (§10a EStG).
Was in diesen Zahlen noch nicht steckt
- Steuer im Ruhestand: Die Modellzahlen zeigen die Nettorente, wenn nur das Altersvorsorgedepot ausgezahlt wird. Kommt eine gesetzliche Rente dazu, steigt der Steuersatz auf die Depot-Auszahlung. Wie stark, hängt von deinem Gesamteinkommen im Ruhestand ab.
- Inflation: Die Zahlen sind nominal, nicht in heutiger Kaufkraft. 173.150 Euro in 32 Jahren kaufen weniger als heute. Auf Wunsch rechnet Miravel auch in heutigem Geld.
- Rendite ist keine Garantie: 5 Prozent im Jahr ist eine Annahme für ein breit gestreutes Aktienportfolio. Aktien schwanken. In einzelnen Jahren und ganzen Jahrzehnten kann es deutlich darüber oder darunter liegen.
- Kosten: Das Modell rechnet mit dem gesetzlichen Kostendeckel von 1 Prozent im Jahr. Einzelne Produkte können günstiger sein.
- Kinderzulage und Kindergeld: Die Kinderzulage hängt am Kindergeld und endet, sobald der Anspruch ausläuft, in der Regel mit 18, bei Ausbildung spätestens mit 25. Das Modell unterstellt sie über die ganze Laufzeit. In der Praxis fließt sie meist kürzer, als du sparst. Deine echten Zulagen fallen also geringer aus als hier gezeigt.
Häufig gestellte Fragen
Miravel rechnet aus, was das Altersvorsorgedepot deinem Haushalt bringt: mit deiner Sparrate, deinen Kindern, deinem Alter, im Vergleich zum ETF-Sparplan. Jetzt kostenlos starten.