Die ersten fünf Berufsjahre: Was du heute entscheidest, merkst du erst in 30 Jahren
Ein ETF-oder-bAV-Rechner vergleicht einen einzelnen Monat. Was in den ersten fünf Berufsjahren an Sparrate, Steuervorteil und Arbeitgeberzuschuss entschieden wird, wirkt aber über Jahrzehnte weiter. Zwei Berufseinsteiger, gleiches Einkommen, unterschiedliche erste Entscheidung.
In den ersten fünf Jahren nach dem Berufseinstieg passiert etwas, das später schwer aufzuholen ist: Die erste Entscheidung zwischen einem ETF-Sparplan aus dem eigenen Nettoeinkommen und einer betrieblichen Altersvorsorge über Entgeltumwandlung wird oft nebenbei getroffen, ohne dass jemand über 30 Jahre nachrechnet, wie sich Steuervorteil, Arbeitgeberzuschuss und Rendite gemeinsam entwickeln. Ein Vergleichsrechner, der nur einen Monat oder ein Jahr zeigt, kann diesen Unterschied gar nicht sichtbar machen, weil er erst über Jahrzehnte entsteht.
Die folgenden Zahlen sind Modellrechnungen mit plausiblen Beispielannahmen zu Einkommen, Sparrate und Rendite. Deine tatsächliche Situation hängt von deinem Arbeitgeber, deinem Vertrag und deiner Einkommensentwicklung ab. Miravel rechnet mit deinen eigenen Zahlen.
Warum ein einzelner Vergleich hier nicht reicht
Ein ETF-oder-bAV-Rechner beantwortet meist eine Frage: Was bleibt in diesem Jahr netto mehr übrig? Er zeigt zutreffend, dass eine Entgeltumwandlung über die betriebliche Altersvorsorge das zu versteuernde und das sozialversicherungspflichtige Einkommen senkt, und dass viele Arbeitgeber einen gesetzlich vorgeschriebenen Zuschuss dazugeben. Was er nicht zeigt: wie sich ein niedrigerer, aber steuerlich begünstigter Betrag mit Zuschuss über 30 Jahre gegenüber einem höheren, aber unbegünstigten ETF-Sparplan aus dem Nettoeinkommen entwickelt, wenn beide unterschiedlich investiert sind und unterschiedlich anwachsen.
Genau diese Zeitachse ist der Punkt. Eine Entscheidung, die im ersten Berufsjahr getroffen wird, wirkt nicht ein Jahr, sondern bis zum Ruhestand. Wer nur den heutigen Nettounterschied sieht, sieht nicht, was daraus nach drei Jahrzehnten Zinseszins wird.
Zwei Berufseinsteiger, gleiches Einkommen, unterschiedliche erste Entscheidung
Finn und Merle verdienen beide rund 3.400 Euro brutto im Monat im dritten Berufsjahr und legen beide 200 Euro im Monat für die Altersvorsorge zurück. Finn spart die 200 Euro als ETF-Sparplan aus seinem Nettoeinkommen. Merle wandelt 200 Euro brutto im Monat über Entgeltumwandlung in eine betriebliche Altersvorsorge um. Beide beginnen mit 30 Jahren Restlaufzeit bis zum Ruhestand.
Finn: ETF-Sparplan, volle Rendite, keine Steuerstundung
Was das Miravel-Modell für Finns Depot errechnet: Bei einer monatlichen Sparrate von 200 Euro über 30 Jahre und einer modellierten Wertentwicklung von 6 Prozent pro Jahr, derselben Planungsrendite für Aktien-ETFs, die auch in anderen Miravel-Modellrechnungen verwendet wird, ergibt sich ein Depotwert von rund 202.000 Euro. Diese Zahl kommt direkt aus der Simulation und reagiert auf jede Änderung von Sparrate, Laufzeit oder Renditeannahme.
Finns 200 Euro sind bereits versteuertes Nettoeinkommen. Er zahlt keine Sozialversicherungsbeiträge auf diesen Betrag, weil er ihn schon aus seinem Nettogehalt spart, bekommt aber auch keinen Arbeitgeberzuschuss dazu. Beim späteren Verkauf fällt auf die Kursgewinne Kapitalertragsteuer an, abzüglich Sparerpauschbetrag und, je nach Fondsart, Teilfreistellung.
Merle: Entgeltumwandlung, Steuerstundung und Arbeitgeberzuschuss, aber ein anderes Produkt
Merle wandelt denselben Betrag, 200 Euro im Monat, brutto über ihren Arbeitgeber in eine betriebliche Altersvorsorge um. Zwei gesetzliche Effekte wirken sofort: Nach §3 Nr.63 EStG bleibt Entgeltumwandlung bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung im Jahr einkommensteuerfrei, für 2026 also bis zu 8.112 Euro im Jahr. Nach §1 Abs.1 Nr.9 SvEV ist zusätzlich bis zu 4 Prozent dieser Grenze, für 2026 bis zu 4.056 Euro im Jahr, sozialversicherungsfrei. Merles 2.400 Euro im Jahr liegen deutlich innerhalb beider Grenzen, ihr gesamter Beitrag ist damit sowohl einkommensteuer- als auch sozialversicherungsfrei.
- Arbeitgeberzuschuss: Seit 2019 muss der Arbeitgeber bei Entgeltumwandlung in eine bAV mindestens 15 Prozent des umgewandelten Betrags zuschießen, soweit er durch die Umwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart (§1a Abs.1a BetrAVG). Bei 200 Euro im Monat sind das 30 Euro zusätzlich, insgesamt 230 Euro monatlicher Beitrag in Merles Depot.
- Angenommene Wertentwicklung: bAV-Produkte laufen häufig über Versicherungs- oder Pensionskassenverträge mit Garantieanteilen, Kosten und einer geringeren Aktienquote als ein freier ETF-Sparplan. Für diese Modellrechnung wird deshalb bewusst eine niedrigere Rendite von 4 Prozent pro Jahr angesetzt statt der 6 Prozent bei Finns ETF-Sparplan, eine Annahme, die den strukturellen Unterschied der Produkte abbildet, nicht eine allgemeine Aussage über bAV-Renditen.
- Depotwert nach 30 Jahren bei 230 Euro monatlichem Beitrag und 4 Prozent Rendite: rund 160.000 Euro.
- Nachgelagerte Besteuerung: Bei Auszahlung in der Rente wird der volle ausgezahlte Betrag als Einkommen versteuert, dazu kommen in der Regel Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung auf die Auszahlung. Das ist der Preis für die Steuerfreiheit während der Ansparphase.
Was diese Rechnung wirklich zeigt
Diese Zahl sagt nicht, dass ein ETF-Sparplan grundsätzlich besser ist als eine bAV, und auch nicht umgekehrt. Sie zeigt, wie stark sich zwei Wege bei derselben Sparrate über 30 Jahre auseinanderentwickeln, wenn Steuerstundung, Arbeitgeberzuschuss und eine andere Renditeannahme zusammenwirken. Ein Rechner, der nur ein Jahr vergleicht, zeigt nur, dass Merles Nettobelastung heute niedriger ausfällt. Er zeigt nicht, was aus diesem Unterschied nach drei Jahrzehnten wird, weil er die Renditeentwicklung, die nachgelagerte Steuer und den Zeithorizont gar nicht mitrechnet.
Wichtig ist auch, was diese Rechnung bewusst offenlässt: die tatsächliche Nettobesteuerung bei Auszahlung hängt vom individuellen Steuersatz im Ruhestand ab, der über 30 Jahre nicht seriös vorhersagbar ist. Und die angenommene 4-Prozent-Rendite für die bAV ist eine Modellannahme für einen typischen Vorsorgevertrag, nicht ein Naturgesetz. Manche bAV-Verträge, etwa reine Fondslösungen ohne Garantie, können näher an der ETF-Rendite liegen, andere mit hohem Garantieanteil deutlich darunter.
Was sich an dieser Rechnung wirklich verändern lässt
In den ersten fünf Berufsjahren gibt es mehrere Stellschrauben, die sich über 30 Jahre stark auswirken, aber nur sichtbar werden, wenn man sie gemeinsam über die Zeitachse betrachtet, nicht einzeln:
- Die tatsächliche Vertragsart der angebotenen bAV prüfen, weil Garantieanteil, Kosten und Aktienquote stark variieren und die Renditeannahme direkt verändern
- Den gesetzlichen Arbeitgeberzuschuss von mindestens 15 Prozent aktiv einfordern, falls er nicht automatisch gezahlt wird
- Eine Kombination aus beidem in Betracht ziehen, etwa einen Teil der Sparrate über bAV und einen Teil über ETF-Sparplan, statt sich auf einen Weg festzulegen
- Die eigene Sparrate früh festlegen und regelmäßig erhöhen, weil der Zeithorizont in den ersten Berufsjahren am längsten ist und jede Verzögerung überproportional Zinseszins kostet
- Bei einem Arbeitgeberwechsel die Portabilität der bAV klären, weil nicht jeder Vertrag unter denselben Bedingungen mitgenommen werden kann
Welche dieser Stellschrauben etwas bringt, hängt vom eigenen Einkommen, vom angebotenen bAV-Vertrag und vom persönlichen Zeithorizont ab. Das lässt sich nicht in einem einzelnen Jahresvergleich nachschlagen, es braucht eine Rechnung, die Sparrate, Steuervorteil, Zuschuss und Rendite gemeinsam über Jahrzehnte abbildet.
Warum das Gesamtbild hier den Unterschied macht
Miravel rechnet nicht nur, was ein ETF-Sparplan oder eine bAV in diesem Jahr netto bringt. Es simuliert deinen gesamten Haushalt über Jahrzehnte: Einkommen, Steuerlast, Sparraten, Depotentwicklung, alles zusammen, an jedem Punkt der Zeitachse. Gerade in den ersten Berufsjahren, in denen der Zeithorizont am längsten und die Entscheidung am folgenreichsten ist, macht erst diese lange Sicht den Unterschied zwischen zwei Wegen sichtbar, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen.
Die Daten bleiben dabei in deinem Browser. Miravel sagt dir nicht, ob ETF-Sparplan oder bAV die richtige Wahl ist. Es zeigt dir, was bei deinen eigenen Zahlen über die nächsten Jahrzehnte passiert.
Häufig gestellte Fragen
Miravel simuliert deine Sparentscheidung nicht für ein Jahr, sondern über Jahrzehnte: Sparrate, Steuervorteil, Arbeitgeberzuschuss und Depotentwicklung gemeinsam. Jetzt kostenlos starten.