Gutverdiener an der Beitragsbemessungsgrenze: Was sich wirklich ändert
Ein Brutto-Netto-Rechner zeigt dir eine Zahl für dieses Jahr. Er zeigt dir nicht, dass deine Sozialversicherung ab einer bestimmten Grenze nicht mehr mitwächst, aber deine Rentenpunkte auch nicht. Zwei Gutverdiener, unterschiedlich weit über der Grenze.
Die Beitragsbemessungsgrenze klingt nach einem Detail für die Personalabteilung. Für alles, was über ihr verdient wird, zahlst du keine weiteren Beiträge zur Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Kranken- oder Pflegeversicherung. Das klingt nach einem reinen Vorteil. Was ein einzelner Brutto-Netto-Rechner nicht zeigt: Deine Rentenpunkte kappen an derselben Grenze, während deine Steuerlast weiter mit jedem Euro wächst.
Die folgenden Zahlen sind mit den 2026 gültigen Beitragsbemessungsgrenzen und dem aktuellen Durchschnittsentgelt der Rentenversicherung gerechnet. Sie kommen direkt aus dem Miravel-Modell für Bruttogehalt, Sozialabgaben und Nettoeinkommen. Miravel rechnet mit deinen eigenen Zahlen.
Zwei Grenzen, nicht eine
Es gibt nicht eine Beitragsbemessungsgrenze, sondern zwei unterschiedlich hohe: Für Kranken- und Pflegeversicherung liegt sie 2026 bei 69.750 Euro im Jahr. Für Renten- und Arbeitslosenversicherung liegt sie deutlich höher, bei 101.400 Euro im Jahr. Wer zwischen beiden Werten verdient, zahlt auf den Teil über 69.750 Euro keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr, aber weiterhin Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge. Erst oberhalb von 101.400 Euro sind alle vier Abgaben gedeckelt.
Zwei Gutverdiener, unterschiedlich weit über der Grenze
Sven verdient 95.000 Euro brutto im Jahr, über der Kranken- und Pflegeversicherungsgrenze, aber noch unter der Renten- und Arbeitslosenversicherungsgrenze. Katharina verdient 180.000 Euro brutto im Jahr, deutlich über beiden Grenzen.
Was mit steigendem Gehalt tatsächlich passiert
Was das Miravel-Modell für beide Bruttogehälter errechnet: Sven zahlt bei 95.000 Euro brutto rund 17.429 Euro Sozialversicherungsbeiträge im Jahr, das sind rund 18,3 Prozent seines Bruttogehalts. Katharina zahlt bei 180.000 Euro brutto rund 18.107 Euro, nur noch rund 10,1 Prozent ihres deutlich höheren Bruttogehalts. Ab 101.400 Euro brutto bleibt die Sozialversicherungssumme exakt gleich, unabhängig davon, ob jemand 101.400 Euro oder 300.000 Euro verdient: Beide zahlen dieselben rund 18.107 Euro im Jahr.
Beim Nettoeinkommen zeigt sich das nicht als plötzlicher Sprung, weil die Einkommensteuer mit jedem weiteren Euro weiter steigt und einen Teil der Sozialversicherungsersparnis auffängt. Was ein Brutto-Netto-Rechner für ein einzelnes Jahr nicht zeigt: Diese beiden Effekte, Sozialversicherung und Steuer, laufen gegenläufig und verschieben sich mit jedem Gehaltssprung neu.
Die Rentenpunkte kappen an derselben Stelle
Rentenpunkte entstehen aus dem Verhältnis von eigenem Bruttogehalt zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten, das die Rentenversicherung jährlich veröffentlicht, für 2026 bei 51.944 Euro. Dabei zählt aber nur der Teil des Bruttogehalts bis zur Renten- und Arbeitslosenversicherungsgrenze von 101.400 Euro, nicht der volle Betrag.
- Sven (95.000 Euro brutto): rund 1,83 Rentenpunkte im Jahr, da sein Gehalt noch unter der 101.400-Euro-Grenze liegt und voll zählt
- Katharina (180.000 Euro brutto): rund 1,95 Rentenpunkte im Jahr, obwohl sie fast doppelt so viel verdient wie Sven
- Jeder Euro brutto oberhalb von 101.400 Euro bringt keine zusätzlichen Rentenpunkte mehr, egal ob jemand 101.400 Euro oder 300.000 Euro verdient
Das ist der Punkt, den ein einzelner Rentenrechner und ein einzelner Brutto-Netto-Rechner beide für sich genommen nicht zeigen: Die gesetzliche Rentenversicherung deckelt die Rentenpunkte an derselben Stelle, an der auch die Beiträge aufhören zu steigen. Wer weit über der Grenze verdient, baut über die gesetzliche Rente hinaus keine zusätzliche Altersvorsorge auf, wenn er sich allein darauf verlässt.
Was diese Rechnung wirklich zeigt
Beide Gutverdiener sehen auf ihrer eigenen Gehaltsabrechnung nur einen Ausschnitt: den eigenen Betrag für diesen Monat. Was sich erst im Vergleich über mehrere Gehaltsstufen zeigt: Die Sozialversicherung wird anteilig günstiger, je weiter das Gehalt über der Grenze liegt, aber die gesetzliche Rente wächst ab dieser Grenze nicht mehr mit. Wer das nicht einplant, verlässt sich möglicherweise auf eine gesetzliche Rente, die strukturell nicht mit dem eigenen Gehalt mitwächst.
Was sich an dieser Stelle wirklich verändern lässt
Für Gutverdiener über der Beitragsbemessungsgrenze gibt es Stellschrauben, die ein einzelner Rechner nicht zeigt, weil er das Zusammenspiel aus Sozialversicherung, Steuer und Altersvorsorge nicht kennt:
- Die eigene Altersvorsorge nicht allein auf die gesetzliche Rente stützen, weil diese oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze strukturell nicht mitwächst
- Betriebliche Altersvorsorge (bAV) prüfen: Gehaltsumwandlung bis zu einem Teil der Beitragsbemessungsgrenze bleibt sozialversicherungsfrei, was gerade unterhalb der Renten-/Arbeitslosenversicherungsgrenze noch eine direkte Ersparnis bringt
- Die gesparte Sozialversicherung oberhalb der Grenze bewusst in einen eigenen Vermögensaufbau lenken, statt sie im laufenden Konsum aufgehen zu lassen
- Bei deutlich steigendem Gehalt prüfen, ob sich das Verhältnis von Sozialversicherung, Steuer und Nettoeinkommen so verschiebt wie erwartet, statt es anzunehmen
Welche dieser Stellschrauben etwas bringt, hängt vom eigenen Gehalt, vom Abstand zu den beiden Beitragsbemessungsgrenzen und von der gewählten Altersvorsorge ab. Das lässt sich nicht in einem einzelnen Brutto-Netto-Rechner nachschlagen, es braucht eine Rechnung, die Bruttogehalt, Sozialversicherung, Steuer und Rentenpunkte gemeinsam über die Erwerbsjahre abbildet.
Warum das Gesamtbild hier den Unterschied macht
Miravel rechnet nicht Bruttogehalt und Rentenpunkte als getrennte Fragen. Es simuliert deinen gesamten Haushalt über Jahre: Einkommen, Sozialabgaben, Steuerlast, Rentenpunkte, alles zusammen, an jedem Punkt der Zeitachse. Gerade oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen zeigt sich, dass ein höheres Gehalt nicht automatisch eine proportional höhere gesetzliche Rente bedeutet.
Die Daten bleiben dabei in deinem Browser. Miravel sagt dir nicht, wie du deine Altersvorsorge gestalten sollst. Es zeigt dir, was bei deinen eigenen Zahlen über die Erwerbsjahre passiert.
Häufig gestellte Fragen
Miravel simuliert dein ganzes Haushaltsbild, über Jahre und über mehrere Einkommensschwellen gleichzeitig: Bruttogehalt, Sozialabgaben, Steuerlast, Rentenpunkte. Nicht nur eine Zahl für dieses Jahr. Jetzt kostenlos starten.