7 % beim MSCI World: Werden aus 1.500 Euro im Monat wirklich zwei Millionen?
Ein kostenloser Sparplan-Rechner verspricht 2,14 Millionen Euro: 1.500 Euro im Monat, 32 Jahre, 7 Prozent im Jahr. Die Zahl stimmt sogar. Sie steht nur in den Euro von 2058, vor Steuer. Was nach deutscher Fondssteuer und in heutigem Geld übrig bleibt, und was ein einziger Prozentpunkt Rendite ausmacht.
Irgendwann tippt fast jeder seine Sparrate in einen dieser kostenlosen Online-Rechner. 1.500 Euro im Monat, 32 Jahre, 7 Prozent im Jahr. Das Ergebnis: 2.142.617 Euro. Über zwei Millionen. Ein Wertzuwachs von 1,57 Millionen, 272 Prozent auf das, was du selbst einzahlst. Die naheliegende Reaktion: "Dann werde ich ja Millionär." Die Zahl ist nicht falsch. Sie beantwortet nur eine kleinere Frage als die, die du eigentlich stellst.
Die folgenden Zahlen sind Modellrechnungen für eine einzelne Person ohne Kirchensteuer. Dein Ergebnis hängt von deiner Sparrate, deinem Anlagezeitraum, deiner Rendite und deinem Steuersatz ab. Miravel rechnet es mit deinen eigenen Zahlen, nominal und in heutigem Geld nebeneinander.
Kurz und knapp
Ja, der Rechner rechnet richtig: 1.500 Euro im Monat über 32 Jahre bei 7 Prozent ergeben rund 2,14 Millionen Euro vor Steuer. Aber diese Summe steht in den Euro des Jahres 2058. In heutiger Kaufkraft sind das vor Steuer rund 1,14 Millionen. Nach deutscher Fondssteuer und bei 2 Prozent Inflation bleiben rund 930.000 Euro in heutigem Geld, bei 2,5 Prozent Inflation eher 800.000. Millionär auf dem Papier: ja. Millionär in heutigem Geld: knapp daneben, je nach Inflation und Rendite.
Schritt 1: Die Zahl stimmt. Sie ist nur von 2058.
Ein Sparplan-Rechner macht genau eine Sache: Er verzinst deine heutigen Euro mit einem festen Satz und schreibt eine nominale Summe ans Ende. 1.500 Euro mal 384 Monate sind 576.000 Euro, die du selbst einzahlst. Der Rest, 1,57 Millionen, ist Zinseszins. Das Ergebnis von 2.142.617 Euro ist arithmetisch korrekt, wir haben es mit dem Miravel-Rechner auf den Euro genau nachgerechnet.
Der Haken steckt nicht in der Rechnung, sondern in der Maßeinheit. Die 2,14 Millionen sind Euro aus dem Jahr 2058. In heutiger Kaufkraft, bei 2 Prozent Inflation, entspricht das rund 1,14 Millionen Euro, vor Steuer. Rund eine Million der Schlagzeile ist schlicht der Abstand zwischen heutigem Geld und dem Geld in 32 Jahren. 1.500 Euro im Jahr 2058 kaufen ungefähr so viel wie 800 Euro heute.
Schritt 2: Die Steuer, die im Rechner fehlt.
Der kostenlose Rechner zeigt eine Zahl vor Steuer. In Deutschland zahlst du auf einen Aktien-ETF an zwei Stellen: jährlich die Vorabpauschale während der Laufzeit, und beim Verkauf die Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent auf den Gewinn, nach 30 Prozent Teilfreistellung für Aktienfonds. Die Vorabpauschale ist dabei keine zweite Steuer, sondern ein Vorschuss: Was du während der Laufzeit zahlst, wird beim Verkauf wieder angerechnet.
Miravel rechnet beides mit. Nach Steuer schrumpft die Schlagzeile von 2,14 Millionen auf 1.753.521 Euro, immer noch in den Euro von 2058. In heutigem Geld, bei 2 Prozent Inflation, bleiben davon rund 930.000 Euro. Bei 2,5 Prozent Inflation eher 796.000. Genau hier kippt die Million: Vor Steuer übersteht die Schlagzeile die Inflation knapp, die Steuer drückt sie in heutigem Geld unter eine Million.
Schritt 3: 7 Prozent sind eine Annahme, kein Versprechen.
7 Prozent sind nicht zu optimistisch. Der MSCI World hat von 1975 bis 2024 im Schnitt rund 9,7 Prozent pro Jahr gebracht, in Euro, vor Kosten. Über rollierende 15-Jahres-Zeiträume waren es im Mittel rund 7,7 Prozent, und kein einziger 15-Jahres-Zeitraum war negativ. 7 Prozent liegen also unter dem historischen Schnitt, das ist eher vorsichtig als kühn.
Trotzdem ist es ein Durchschnitt über Jahrzehnte, kein Wert, den du jedes Jahr bekommst. Einzelne Jahre lagen zwischen plus 30 und minus 38 Prozent. Von 2000 bis 2009 hat ein Weltanleger real ungefähr nichts verdient, ein flaches Jahrzehnt gehört zur Spannbreite dazu. Viele deutsche Ratgeber planen deshalb bewusst mit 6 Prozent statt 7.
- Bei 7 % Rendite: nach Steuer 1,75 Mio. € (2058), rund 930.000 € in heutigem Geld
- Bei 6 % Rendite: nach Steuer 1,46 Mio. € (2058), rund 775.000 € in heutigem Geld
- Ein Prozentpunkt Rendite über 32 Jahre: rund 293.000 Euro Unterschied
- Schwacher Markt (4 %) bis starker Markt (10 %): nach Steuer grob 1,0 bis 3,1 Mio. € (2058)
- Tagesgeld zum Vergleich (3 %): nach Steuer rund 843.000 € (2058)
Was heißt das für deinen Sparplan?
Der Rechner ist nicht falsch, er beantwortet eine engere Frage: Wie wachsen nominale Euro bei festem Zins? Die Frage, die du eigentlich stellst, ist größer. Was bleibt nach Steuer? Was kauft es in dem Jahr, in dem ich es brauche? Und was passiert, wenn der Markt schlechter läuft als 7 Prozent? Auf dem Papier, in den Euro von 2058, wirst du mit 1.500 Euro im Monat bequem Millionär. In heutigem Geld, nach Steuer, landest du genau auf der Grenze: rund 930.000 Euro bei 2 Prozent Inflation, weniger, wenn die Inflation höher oder die Rendite niedriger ausfällt.
Das ist keine schlechte Nachricht. Finanzielle Unabhängigkeit ist mit dieser Sparrate realistisch erreichbar. Nur ist "eine Million" eine Frage danach, welche Euro du zählst und in welchem Jahr du stehst. Wenn du es mit deiner eigenen Sparrate, deiner Rendite und deiner Inflation sehen willst, nominal und in heutigem Geld nebeneinander, kannst du es in Miravel durchrechnen.