Steuerklasse wechseln: Wann lohnt es sich wirklich? — Miravel

Steuerklasse 3/5 oder 4/4? Die Steuerklasse beeinflusst den monatlichen Nettolohn und das Elterngeld — nicht aber die jährliche Steuerlast. Wann ein Wechsel sinnvoll ist, mit konkreten Zahlen.

Wenn zwei Menschen in Deutschland heiraten, landet kurz darauf ein Formular im Briefkasten: Welche Steuerklasse wählen Sie? Die meisten wählen irgendetwas. Wenige verstehen, was die Wahl bedeutet — besonders, wenn ein Kind geplant ist.

Die folgenden Zahlen sind Modellrechnungen für Musterbeispiele mit 2026er Steuerparametern. Dein tatsächliches Nettoeinkommen hängt von deiner konkreten Situation ab. Miravel berechnet es mit deinen eigenen Daten.

Was die Steuerklasse tatsächlich bestimmt

Steuerklassen sind Lohnsteuervorabzugsklassen, keine endgültigen Steuersätze. Am Ende des Jahres rechnet das Finanzamt ab. Verheiratete zahlen am Jahresende zusammen immer dasselbe — egal ob sie 3/5 oder 4/4 gewählt haben. Was sich unterscheidet: das monatliche Netto und das Elterngeld.

Steuerklasse 3/5: Mehr Netto für den Besserverdiener

In der Kombination 3/5 bekommt der Partner in Klasse 3 deutlich mehr Netto. Der Partner in Klasse 5 deutlich weniger. Beispiel: Person A verdient 70.000 Euro brutto, Person B 40.000 Euro brutto.

  • Person A (Steuerklasse 3): ca. 4.040 Euro Netto/Monat statt 3.570 Euro in Klasse 4
  • Person B (Steuerklasse 5): ca. 1.890 Euro Netto/Monat statt 2.255 Euro in Klasse 4
  • Über das Jahr zahlt ihr in beiden Varianten gleich viel Steuer. Das monatliche Netto unterscheidet sich aber: Bei 3/5 fließt mehr im Monat, dafür gibt es am Jahresende eher eine Nachzahlung. Bei 4/4 ist die monatliche Aufteilung gleichmäßiger. Entscheidend ist die Steuererklärung, nicht der Vorabzug.

Dasselbe Paar, zwei Steuerklassen-Varianten

Person A · 70.000 € brutto — Höheres Einkommen im Paar
Netto in Klasse 43.570 €/Mon.
Netto in Klasse 34.040 €/Mon.
Differenz im Monat+470 €
Jahressteuer des Paaresidentisch
Person B · 40.000 € brutto — Niedrigeres Einkommen im Paar
Netto in Klasse 42.255 €/Mon.
Netto in Klasse 51.890 €/Mon.
Differenz im Monat−365 €
Jahressteuer des Paaresidentisch

Steuerklasse 4/4: Gleichmäßigere Aufteilung, weniger Steuernachzahlung

Steuerklasse 4 verteilt den Vorabzug gleichmäßiger auf beide Partner. Mit dem Faktorverfahren (§ 39f EStG) wird das Ehegattensplitting bereits im monatlichen Abzug berücksichtigt. Ergebnis: kaum Steuernachzahlung im April, bessere Kontrolle über den monatlichen Cashflow.

Elterngeld: Warum die Steuerklasse vor der Geburt zählt

Das Elterngeld wird auf Basis des pauschalierten Nettolohns berechnet. In Steuerklasse 3 ist der Lohnsteuerabzug niedriger, das pauschalierte Netto höher, das Elterngeld höher. In Klasse 5 ist es umgekehrt.

  • Gleicher Bruttolohn, Steuerklasse 3 statt 1: gesetzlich bis zu ca. 300 Euro mehr Elterngeld pro Monat möglich, solange das Elterngeld unter dem Höchstbetrag von 1.800 Euro bleibt. Hinweis: Miravels Elterngeld-Projektion rechnet diesen Steuerklassen-Effekt aktuell nicht ein, sie ist von der Steuerklasse unabhängig.
  • Die neue Klasse muss mindestens 7 der 12 Monate vor dem Geburtsmonat gegolten haben
  • Planungsregel: Steuerklasse spätestens 7 Monate vor dem errechneten Geburtstermin wechseln

Wann lohnt sich ein Wechsel?

Der häufigste Grund für einen Wechsel ist das Elterngeld. Wer plant, Elterngeld zu beantragen, sollte die günstigere Steuerklasse mindestens 7 Monate vor dem voraussichtlichen Geburtstermin beantragt haben. Ohne Kinder lohnt der Wechsel auf 3/5 hauptsächlich, wenn ein Partner deutlich mehr verdient und das gemeinsame Liquiditätsmanagement davon profitiert.

Seit 2024 können Ehepaare die Steuerklasse zweimal pro Kalenderjahr wechseln. Der Antrag wird beim zuständigen Finanzamt gestellt oder über das Online-Portal ELSTER eingereicht.

Steuerklasse 3/5 oder 4/4: Was ist besser für uns als Ehepaar?
Das hängt von eurer Einkommensverteilung ab. Bei ähnlichen Einkommen ist 4/4 meistens sinnvoller: gleichmäßigeres Netto, keine Steuernachzahlung. Bei großem Unterschied kann 3/5 für den Haushaltscashflow besser sein. Für das Elterngeld gilt: wer das Baby bekommt, sollte in Klasse 3 sein.
Wie viel mehr Elterngeld bekomme ich in Steuerklasse 3?
Das Elterngeld beträgt 65 bis 67 Prozent des pauschalierten Nettos. In Steuerklasse 3 ist die Lohnsteuer deutlich geringer als in 1 oder 4. Bei einem Bruttoeinkommen von 40.000 Euro kann der Unterschied zwischen Steuerklasse 1 und 3 im Bemessungszeitraum ca. 150 bis 300 Euro mehr Elterngeld pro Monat bedeuten. Dieser gesetzliche Effekt ist real, Miravels eigene Elterngeld-Projektion bildet ihn aber aktuell nicht ab: Sie rechnet unabhängig von der Steuerklasse.
Wann und wie kann ich die Steuerklasse wechseln?
Seit 2024 können Ehepaare die Steuerklasse zweimal pro Kalenderjahr wechseln. Der Antrag wird beim Finanzamt gestellt oder über ELSTER online eingereicht. Der neue Abzug gilt ab dem Folgemonat nach Bearbeitung. Für die Elterngeld-Planung: mindestens 7 Monate vor dem errechneten Geburtstermin wechseln.
Zahle ich in Steuerklasse 5 mehr Steuern als in Steuerklasse 4?
Nein, nicht im Jahresergebnis. Steuerklasse 5 hat nur einen höheren monatlichen Vorabzug. Bei der Steuererklärung wird die tatsächliche Steuerschuld auf Basis des gemeinsamen Einkommens mit Ehegattensplitting ermittelt. Was in Klasse 5 zu viel einbehalten wurde, wird erstattet.

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