Wie sicher ist dein Haushalt wirklich, wenn das Einkommen wegfällt?
Zwei Haushalte, ähnliches Einkommen, sehr unterschiedliche Absicherung. Was einen echten Sicherheitspuffer ausmacht, und was die meisten vergessen einzurechnen.
Die meisten Menschen wissen ungefähr, was auf ihrem Konto ist. Die wenigsten wissen, wie lange dieses Geld reicht, wenn das Einkommen morgen aufhört. Das ist keine akademische Frage. Kurzarbeit, Kündigung, Krankheit, Pflege, Scheidung: für die meisten Haushalte ist einer dieser Auslöser keine Frage von ob, sondern von wann.
Die folgenden Zahlen sind Modellrechnungen mit plausiblen Beispielannahmen. Dein Haushalt ist anders. Miravel rechnet mit deinen Zahlen.
Dieselbe Ausgangslage, zwei sehr verschiedene Ergebnisse
Miriam ist 34, arbeitet als Marketingmanagerin, verdient 3.200 Euro brutto im Monat. Ihr Partner verdient 2.400 Euro brutto. Zusammen: 5.600 Euro brutto, rund 3.800 Euro netto. Ihre monatlichen Ausgaben: 2.900 Euro. Rücklagen: 8.200 Euro.
Jörg ist 41, Ingenieur, 5.800 Euro brutto. Seine Partnerin arbeitet nicht. Netto: rund 3.500 Euro. Ausgaben: 2.200 Euro. Rücklagen: 40.000 Euro.
Auf den ersten Blick ähnliche Haushalte: beide im Doppelverdiener-Bereich oder leicht darunter, beide ohne auffälligen Konsum, beide mit Rücklagen. Was passiert, wenn Miriam ihren Job verliert?
Ähnliches Bild, sehr verschiedene Reichweite
| Arbeitslosengeld I (60%) | ca. 1.330 € |
|---|---|
| Haushalt während ALG I | ca. 2.510 € |
| Monatliche Lücke | ca. 390 € |
| Rücklagen | 8.200 € |
| Lücke überbrückbar | ca. 21 Monate |
| Arbeitslosengeld I (60%) | ca. 2.180 € |
|---|---|
| Haushalt während ALG I | ca. 2.180 € |
| Monatliche Lücke (Jahr 1) | ca. 20 € |
| Rücklagen | 40.000 € |
| Spielraum gesamt | ca. 2,5 Jahre |
Miriams Haushalt: Absicherung durch zwei Einkommen
Miriam hat in den letzten zwölf Monaten durchgehend sozialversicherungspflichtig gearbeitet und erfüllt damit die Anwartschaftszeit für das Arbeitslosengeld I (ALG I). Ihr ALG I berechnet sich nicht aus ihrem tatsächlichen Nettogehalt, sondern aus einem pauschalierten Nettoentgelt: Bruttolohn minus 20 Prozent pauschaler Sozialversicherung minus pauschalierter Lohnsteuer nach Steuerklasse. Bei 3.200 Euro brutto liegt das pauschalierte Nettoentgelt bei rund 2.220 Euro. ALG I beträgt davon 60 Prozent: rund 1.330 Euro pro Monat.
Miriams Haushaltseinkommen während ALG I: 1.180 Euro Partnereinkommen netto plus 1.330 Euro ALG I = rund 2.510 Euro. Ausgaben: 2.900 Euro. Monatliche Lücke: rund 390 Euro. Bei 8.200 Euro Rücklagen ist diese Lücke rund 21 Monate überbrückbar. So lange hält das zweite Einkommen den Haushalt stabil, ohne dass die Ausgaben sinken müssen.
Das ist überbrückbar, solange das zweite Einkommen läuft, und genau das ist Miriams eigentliche Absicherung. Das Risiko liegt in der Abhängigkeit von beiden Einkommen: Fällt auch das zweite weg, wird aus der kleinen Lücke sofort eine große, und dieselben Rücklagen tragen nur noch wenige Wochen. Ein Einpersonenhaushalt mit denselben Zahlen hätte diesen Puffer gar nicht.
Miravel rechnet das ein, sobald du dein Haushaltseinkommen und deine Ausgaben einträgst. Du siehst die Lücke, den Zeitpuffer und was sich ändern muss, damit der Haushalt stabil bleibt.
Jörgs Haushalt: Puffer ohne zweites Einkommen
Jörg hat keine zweite Einkommensquelle. Wenn er seinen Job verliert, fällt sein gesamtes Haushaltseinkommen weg. Sein ALG I berechnet sich nach demselben Prinzip: aus 5.800 Euro Brutto wird ein pauschaliertes Nettoentgelt abgeleitet, davon 60 Prozent. Das ergibt rund 2.180 Euro pro Monat. Damit deckt sein ALG I seine Ausgaben von 2.200 Euro im ersten Jahr fast genau, es bleibt eine kleine Lücke von rund 20 Euro im Monat, die er aus seinen Rücklagen auffängt, ohne dass diese spürbar schrumpfen.
Nach zwölf Monaten endet das ALG I (bei zwei Jahren Beschäftigung in der Rahmenfrist). Dann sind seine laufenden Kosten von 2.200 Euro vollständig aus Rücklagen zu decken. Bei 40.000 Euro Rücklagen und 2.200 Euro monatlichem Bedarf: rund 18 Monate, bis die Ersparnisse aufgebraucht sind. Danach käme für ihn Bürgergeld infrage, das für Alleinverdiener mit Vermögen über dem Freibetrag erst nach dessen Aufzehrung greift.
Jörg ist komfortabler gestellt als Miriam. Aber nicht auf ewig. Ein Jahr ALG I, dann 18 Monate Rücklagen: das gibt ihm rund zweieinhalb Jahre Spielraum, bis er in finanzielle Not gerät. Das klingt lang. Es ist kürzer als die meisten Menschen intuitiv schätzen würden, wenn jemand mit 40.000 Euro Rücklagen vor ihnen steht.
Miravel rechnet den Verlauf durch: was zuerst wegfällt, wie lange die Rücklagen tragen, wann der Haushalt in eine Deckungslücke rutscht.
Was ALG I ist und wer es bekommt
Arbeitslosengeld I ist eine Versicherungsleistung, keine Sozialleistung. Wer sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate Beiträge eingezahlt hat (Rahmenfrist nach §142 SGB III), hat Anspruch. Die Leistung läuft je nach Beschäftigungsdauer zwischen 6 und 24 Monaten.
Wer kündigt oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, riskiert eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen, in der kein ALG I gezahlt wird. Die Versicherungsansprüche verfallen nicht, aber der Start verzögert sich. Das ist ein konkreter finanzieller Unterschied, den viele erst bemerken, wenn der Antrag gestellt wird.
Wer ohne Job nach Deutschland kommt oder hier nie sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, hat keinen ALG-I-Anspruch. Das betrifft auch viele Migrantinnen und Migranten, die aus Ländern einreisen, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat. In diesen Fällen gibt es bei Bedürftigkeit Bürgergeld, aber der Anspruch hängt an Aufenthaltsstatus und Vermögensgrenzen.
Besondere Situation: Zuzug aus der Ukraine
Viele Ukrainerinnen und Ukrainer, die seit 2022 nach Deutschland gekommen sind, haben in der Ukraine gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt. Ein Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und der Ukraine wurde zwar 2018 unterzeichnet und von Deutschland ratifiziert, ist aber noch nicht in Kraft getreten, weil das ukrainische Parlament es bislang nicht ratifiziert hat (Stand Juni 2026). Das bedeutet: ukrainische Beschäftigungszeiten werden bei deutschen ALG-I-Ansprüchen derzeit nicht angerechnet.
Wer aus der Ukraine nach Deutschland gezogen ist und hier neu zu arbeiten begonnen hat, baut ALG-I-Ansprüche erst durch deutsche Beschäftigungszeiten auf. Nach 12 Monaten sozialversicherungspflichtiger Arbeit in Deutschland entsteht ein Anspruch auf 6 Monate ALG I. Vorher gibt es diesen Puffer nicht. Das ist eine konkrete Lücke, die sich in der Haushaltsplanung zeigt.
Miravel rechnet das ein, sobald du Beschäftigungsbeginn und -verlauf einträgst. Du siehst, ab wann der Puffer greift und was vorher die Rücklagen leisten müssen.
Was langfristige Sicherheit wirklich ausmacht
Ein Notgroschen von drei Monatsausgaben ist die Standardempfehlung. Sie stimmt ungefähr, aber sie ist unvollständig. Entscheidend ist nicht nur die Höhe der Rücklagen, sondern auch: Wie hoch ist die monatliche Lücke, wenn das Einkommen wegfällt? Welche Versicherungsleistungen laufen wie lange? Wie hoch sind die fixen Kosten, die sich nicht kurzfristig senken lassen?
ca. 2,5 Jahre — Jörgs gesamter Spielraum mit 40.000 € Rücklagen: ein Jahr Arbeitslosengeld I, dann rund 18 Monate Reserve. Kürzer, als die meisten schätzen.
Miriams Haushalt ist weniger sicher als Jörgs, aber nicht wegen der Rücklagen allein. Er ist weniger sicher, weil beide Einkommen gebraucht werden, um die laufenden Kosten zu decken. Wenn eines wegfällt, entsteht sofort eine Lücke. Dass Jörg diese Lücke im ersten Jahr nicht hat, liegt allein an seinem ALG I.
Langfristige finanzielle Sicherheit entsteht durch drei Faktoren zusammen: ein Verhältnis von Ausgaben zu Einkommen, das Puffer lässt; Rücklagen, die mindestens drei bis sechs Monate volle Ausgaben abdecken; und Versicherungsansprüche, die eine Übergangsphase ohne Einkommen tragen. Miravel zeigt alle drei Faktoren in einer Simulation.
Diese drei Faktoren zusammen sind finanzielle Sicherheit, auch finanzielle Stabilität genannt: kein einzelner Kontostand, sondern ein Zustand, den dein Haushalt über Zeit hält, auch wenn sich die Lage ändert.
Häufig gestellte Fragen
Wie berechnet sich mein ALG I genau? ALG I beträgt 60 Prozent (ohne Kind) oder 67 Prozent (mit Kind) des pauschalierten Nettoentgelts. Das pauschalierte Nettoentgelt ist nicht dein tatsächliches Nettogehalt, sondern wird gesetzlich berechnet: aus dem Bruttogehalt, abzüglich pauschalierter Steuern und Sozialabgaben. Der genaue Betrag hängt von Steuerklasse und Beitragssätzen ab.
Wie lange bekomme ich ALG I? Das hängt davon ab, wie lange du in den letzten 30 Monaten sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast. Bei 12 bis 15 Monaten Beschäftigung: 6 Monate ALG I. Bei 24 bis 30 Monaten: bis zu 12 Monate. Ab 58 Jahren und langer Beschäftigungsdauer: bis zu 24 Monate.
Was passiert nach ALG I? Wenn ALG I ausläuft und du noch keine neue Arbeit hast, kannst du Bürgergeld (früher Hartz IV) beantragen. Bürgergeld ist bedarfsgeprüft: Vermögen über dem Schonbetrag (in der einjährigen Karenzzeit 40.000 Euro für die erste Person plus 15.000 Euro je weitere, danach rund 15.000 Euro pro Person) muss zuerst aufgebraucht werden. Die Leistung sichert das Existenzminimum, aber nicht den bisherigen Lebensstandard.
Ich bin aus dem Ausland zugewandert und habe hier noch nicht lange gearbeitet. Habe ich ALG-I-Anspruch? Das hängt davon ab, aus welchem Land du kommst und wie lange du in Deutschland sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast. Mit EU-Staaten und vielen anderen Ländern gibt es Abkommen, die ausländische Beschäftigungszeiten anrechnen. Mit der Ukraine ist ein solches Abkommen zwar unterzeichnet, aber noch nicht in Kraft. Ohne Anrechnung gilt: erst nach 12 Monaten deutscher Beschäftigung entsteht ein ALG-I-Anspruch.
Was unterscheidet Miravel von einem ALG-I-Rechner? Ein ALG-I-Rechner zeigt den monatlichen Betrag. Miravel zeigt, was das für deinen gesamten Haushalt bedeutet: wie lange die Rücklagen reichen, wo die Deckungslücke entsteht, und wann welche Maßnahmen nötig wären. Der Unterschied ist nicht die Berechnung des ALG I, sondern die Einbettung in dein gesamtes Finanzbild.