Was kostet es wirklich, weniger zu arbeiten?
Teilzeit bedeutet mehr als weniger Gehalt. Wie sich eine Arbeitszeitreduzierung auf Netto, Rentenansprüche und Ersparnisse auswirkt, zeigen zwei konkrete Beispiele.
Die meisten Menschen wissen, was Teilzeit bedeutet: weniger Stunden, weniger Geld am Monatsende. Was die meisten nicht wissen: dieselbe Entscheidung kann für zwei Menschen in sehr ähnlicher Situation ganz unterschiedliche Konsequenzen haben. Nicht weil ein Gesetz das so will. Sondern weil das Leben anders aufgebaut ist.
Die folgenden Zahlen sind Modellrechnungen. Sie zeigen, was das Miravel-Modell für konkrete Eingaben errechnet. Keine zwei Haushalte sind gleich. Deine Zahlen weichen ab.
Dieselbe Entscheidung, zwei verschiedene Ergebnisse
Stell dir zwei Personen vor. Beide verdienen heute 52.000 Euro brutto im Jahr. Beide reduzieren auf 60 Prozent. Beide bleiben zehn Jahre in Teilzeit. Beide wohnen in einer deutschen Großstadt.
Der Unterschied: Eine lebt in München, ist verheiratet, hat ein Kind. Der andere lebt allein in Berlin, lernt nebenbei einen neuen Beruf.
Gleicher Schritt, gleicher Netto-Rückgang, andere Folge
| Brutto vorher | 52.000 €/Jahr |
|---|---|
| Netto weniger/Monat | ca. 960 € |
| Weniger Rente nach 10 J. | ca. 170 €/Mon. |
| Vermögenslücke nach 20 J. | ca. 38.000 € |
| Brutto vorher | 52.000 €/Jahr |
|---|---|
| Netto weniger/Monat | ca. 960 € |
| Weniger Rente nach 10 J. | ca. 170 €/Mon. |
| Vermögenslücke nach 20 J. | ca. 67.000 € |
Simone, München. Elternteilzeit.
Simone verdient 52.000 Euro brutto. Ihr Partner verdient 55.000 Euro. Sie reduziert auf 60 Prozent, also auf 31.200 Euro brutto pro Jahr. Sie zahlt Steuern nach Steuerklasse III. Das bedeutet: Auf ihrem Lohnzettel sieht das nach wenig Steuer aus, weil die Steuerklasse III die monatliche Lohnsteuer nur zwischen den Partnern verschiebt. Die tatsächliche Jahressteuer des Haushalts ändert sich dadurch nicht, sie wird am Ende bei der gemeinsamen Steuererklärung festgesetzt.
Was das Miravel-Modell errechnet (10 Jahre Teilzeit):
- Netto weniger übers Jahr gerechnet: ca. 960 Euro pro Monat, dieselbe Summe wie bei Karim. Auf dem Lohnzettel sieht es Monat für Monat nach weniger aus, weil Steuerklasse III den Lohnsteuerabzug zu ihrem Partner verschiebt. Am Jahresende ist das Ergebnis identisch.
- Weniger Rentenpunkte pro Jahr: dieselbe Menge wie bei Karim. Die Beiträge hängen am Bruttolohn, nicht an der Steuerklasse.
- Daraus: ca. 170 Euro weniger gesetzliche Rente pro Monat nach 10 Jahren Teilzeit
- Lücke im aufgebauten Vermögen nach 20 Jahren: ca. 38.000 Euro
Die Lücke beim Vermögen ist bei Simone trotzdem kleiner als bei Karim. Warum? Weil ihr Haushalt zwei Einkommen hat. Die Wohnung, der Einkauf, die festen Kosten: alles geteilt. Derselbe Rückgang beim Netto wiegt deshalb leichter. Ein Teil davon hätte ohnehin nicht ins Ersparte gefunden.
Karim, Berlin. Umorientierung und Weiterbildung.
Karim verdient ebenfalls 52.000 Euro brutto. Er reduziert auf dieselben 60 Prozent, also 31.200 Euro. Er ist ledig, zahlt Steuern nach Klasse I. Keine Steuervorteile durch einen Partner.
Was das Miravel-Modell errechnet (10 Jahre Teilzeit):
- Netto monatlich weniger: ca. 960 Euro
- Weniger Rentenpunkte pro Jahr: genau gleich wie bei Simone
- Daraus: ebenfalls ca. 170 Euro weniger gesetzliche Rente pro Monat
- Lücke im aufgebauten Vermögen nach 20 Jahren: ca. 67.000 Euro
Die Lücke bei der Rente ist bei beiden gleich. Das war zu erwarten: Rentenpunkte hängen am Bruttolohn. Wer weniger verdient, sammelt weniger Punkte. Steuerklasse, Familienstand, Wohnort. Das ändert daran nichts.
Trotzdem ist Karims Vermögenslücke deutlich größer, rund 67.000 gegenüber rund 38.000 Euro bei Simone. Der Grund liegt nicht im Netto, das fällt bei beiden um ca. 960 Euro. Er liegt in den Fixkosten. Karim trägt Miete, Versicherungen und Einkauf allein. Bei ihm geht der Rückgang fast vollständig zulasten des Ersparten. Bei Simone fängt das zweite Einkommen einen Teil auf.
Simone hat denselben Rückgang beim Netto, aber ihr Haushalt fängt einen Teil davon auf. Das Paar spart gemeinsam weniger, nur nicht so viel weniger, wie der reine Einkommensvergleich vermuten lässt.
Wie wirkt sich Teilzeit auf die Rente aus?
Die gesetzliche Rente berechnet sich über Rentenpunkte. Pro Jahr sammelst du so viele Punkte, wie dein Gehalt im Verhältnis zum deutschen Durchschnittsverdienst steht. Wer genau den Durchschnitt verdient, bekommt einen Punkt pro Jahr. Wer weniger verdient, bekommt weniger.
Bei 60 Prozent Teilzeit über 10 Jahre entstehen gegenüber Vollzeit ungefähr 4 bis 5 Rentenpunkte weniger. Mit dem Rentenwert 2026 entspricht das rund 170 bis 200 Euro weniger monatlicher Bruttorente. Wie viel das für dich konkret bedeutet, hängt von deinem Gehalt und der Länge der Teilzeitphase ab.
Was passiert mit meinen Ersparnissen, wenn ich weniger arbeite?
Geld, das du nicht verdienst, wird auch nicht angelegt. Wenn du durch Teilzeit monatlich 300 Euro weniger investieren kannst, fehlt nach 20 Jahren nicht nur der eingesparte Betrag. Es fehlt auch das Wachstum darauf.
Bei einer angenommenen Rendite von 5 Prozent pro Jahr (Modellannahme, keine Garantie) kann der Unterschied beim Endvermögen nach 20 Jahren bei rund 60.000 bis 80.000 Euro liegen. Der genaue Betrag hängt von deiner Sparrate und dem gewählten Anlageprodukt ab.
Warum reicht ein einfacher Gehaltsrechner dafür nicht?
Ein Brutto-Netto-Rechner zeigt dir: wie viel Netto du im Monat hast. Ein Rentenrechner zeigt dir: wie viele Rentenpunkte du bisher gesammelt hast. Miravel verbindet beides und zeigt dir, wie sich deine Entscheidung auf monatliches Budget, Rentenansprüche und Vermögensaufbau über die nächsten Jahre entwickelt. Zusammen, für deinen Haushalt, mit deinen Zahlen. Lokal in deinem Browser, ohne Account.
Was in diesen Zahlen noch nicht drinsteckt
Berufliche Entwicklung: Das Modell rechnet mit einem gleichbleibenden Gehalt. In der Praxis kann sich Teilzeit auf Beförderungen, Gehaltserhöhungen und Karriereverläufe auswirken. Das ist individuell und kaum vorhersagbar.
Elternzeit und Rentenanrechnung: Wer ein Kind erzieht, bekommt für die ersten Lebensjahre des Kindes Rentenpunkte angerechnet. Das federt einen Teil der Lücke ab. Simones Situation sieht deshalb in der Realität möglicherweise besser aus als das Modell zeigt.
Häufig gestellte Fragen
Ich reduziere nur ein oder zwei Jahre. Lohnt sich die Rechnung trotzdem? Ja. Auch zwei Jahre weniger Beiträge bedeuten weniger Rentenpunkte. Die Richtung ist dieselbe, unabhängig vom Einkommensniveau.
Zählt Elterngeld als Einkommen für die Rente? Nein. Elterngeld ist eine staatliche Leistung und zählt nicht als versicherungspflichtiges Einkommen. Für die Kinderbetreuungszeit gibt es aber eine eigene Rentenanrechnung.
Kann ich die Rentenlücke durch freiwillige Einzahlungen ausgleichen? Du kannst freiwillig zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um Rentenpunkte nachzukaufen. Das ist möglich, aber teuer. Es gibt auch private Alternativen wie einen ETF-Sparplan.
Ich bin aus dem Ausland zugezogen. Zählen meine Arbeitsjahre von früher für die deutsche Rente? Das hängt davon ab, woher du kommst. Mit vielen Ländern hat Deutschland ein Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Beitragszeiten. Die Höhe der deutschen Rente richtet sich aber nur nach dem, was du in Deutschland eingezahlt hast.
Teilzeit ist keine einheitliche Entscheidung. Sie trifft jeden Haushalt anders, je nachdem, wie er aufgebaut ist, wer dazugehört und was der Rest des Lebens auffängt oder nicht.