Wie viel Notgroschen braucht eine Familie? Rechnen statt Faustregel

Die Faustregel nennt drei bis sechs Monate Fixkosten. Für einen Haushalt ist entscheidend, was nach einem Einkommensausfall tatsächlich fehlt. Drei Beispiele mit Zahlen: Paar mit zwei Einkommen, Alleinverdiener-Familie, Selbstständige.

Kurzantwort: Die Faustregel nennt drei bis sechs Monate Fixkosten als Notgroschen. Für eine Familie ist die genauere Rechnung: monatlicher Fehlbetrag nach einem Einkommensausfall mal die Monate, die er dauern kann. Bei einer Alleinverdiener-Familie mit 3.400 Euro Netto und 2.900 Euro Fixkosten sind das im ersten Jahr nach einem Jobverlust rund 620 Euro im Monat, zusammen rund 7.500 Euro. Bei einem Paar mit zwei Einkommen und Kind ist der Fehlbetrag bei Jobverlust einer Person oft nahe null.

Die Frage "Wie viel Notgroschen brauchen wir?" bekommt in der Regel eine Antwort in Monaten: drei bis sechs, bei Familien eher sechs. Das ist eine brauchbare Orientierung und eine schlechte Rechnung, weil sie so tut, als fiele bei einem Einkommensausfall das gesamte Einkommen weg. Das passiert selten. Meist fällt ein Teil weg, ein anderer Teil wird ersetzt, und was bleibt, ist ein Fehlbetrag. Der ist die Zahl, die ein Haushalt tatsächlich abdecken muss.

Die Rechnung in zwei Zeilen

Erstens: Fixkosten des Haushalts pro Monat (Miete oder Kreditrate, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität, Kinderbetreuung, laufende Verträge) minus das Einkommen, das nach dem Ausfall weiter hereinkommt. Das Weiterlaufende besteht aus dem Einkommen der anderen Person und dem Ersatz für die ausgefallene: Arbeitslosengeld I beträgt rund 60 Prozent des früheren Nettos, mit Kind rund 67 Prozent, für bis zu 12 Monate bei unter 50-Jährigen mit 24 Monaten Versicherungspflicht. Die Beispiele unten nehmen genau diesen Fall an. Zweitens: Dieser Fehlbetrag mal die Zahl der Monate, die du überbrücken willst, plus einmalige Posten wie eine kaputte Waschmaschine oder eine Selbstbeteiligung.

Beispiel 1: Paar mit Kind, zwei Einkommen

Netto 2.400 Euro und 1.600 Euro, zusammen 4.000 Euro, Fixkosten 3.200 Euro. Verliert die Person mit 2.400 Euro Netto die Stelle, ersetzt das Arbeitslosengeld I (näherungsweise 67 Prozent) rund 1.608 Euro. Das Haushaltseinkommen liegt dann bei etwa 3.208 Euro, die Fixkosten bei 3.200 Euro: Der Fehlbetrag ist praktisch null. Die Faustregel würde sechs mal 3.200 Euro, also 19.200 Euro, nennen. Der Haken: Dieses Bild gilt nur, solange das zweite Einkommen stabil bleibt und das Arbeitslosengeld läuft, und es ersetzt keine Reserve für den Fall, dass beide Einkommen gleichzeitig wackeln.

Beispiel 2: Alleinverdiener-Familie

Ein Einkommen mit 3.400 Euro Netto, Fixkosten 2.900 Euro, ein Kind. Bei Jobverlust zahlt das Arbeitslosengeld I näherungsweise 67 Prozent, also rund 2.278 Euro. Der Fehlbetrag beträgt 622 Euro im Monat, über zwölf Monate rund 7.460 Euro. Zum Vergleich: drei Monate Fixkosten sind 8.700 Euro, sechs Monate 17.400 Euro. Nach den zwölf Monaten endet das Arbeitslosengeld I; was dann folgt, ist das Grundsicherungsgeld (bis Juni 2026 Bürgergeld) mit Vermögensprüfung, eine andere Rechnung.

622 € — Monatlicher Fehlbetrag im Beispiel der Alleinverdiener-Familie, im ersten Jahr nach einem Jobverlust. Die Faustregel würde das Dreifache bis Sechsfache der Fixkosten ansetzen.

Beispiel 3: Selbstständig, ein Einkommen

Wer selbstständig ist und sich nicht freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versichert hat, bekommt kein Arbeitslosengeld I. In der Regel wird nichts davon durch Arbeitslosengeld I ersetzt; ob andere Leistungen greifen, hängt vom Einzelfall ab. Rechnerisch entspricht der Fehlbetrag dann den vollen Fixkosten. Bei 3.000 Euro Fixkosten sind das 3.000 Euro im Monat, für sechs bis zwölf Monate 18.000 bis 36.000 Euro. Darum nennen viele Quellen für Selbstständige das Sechs- bis Zwölffache.

Was diese Rechnung nicht abdeckt

  • Der Ausfall ist nicht immer Arbeitslosigkeit. Bei Krankheit zahlt die Krankenkasse Angestellten nach sechs Wochen Krankengeld (rund 70 Prozent des Bruttos, höchstens 90 Prozent des Nettos), bei dauerhafter Erwerbsminderung greift die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, oft deutlich niedriger als das bisherige Einkommen.
  • Sperrzeiten (nicht zu verwechseln mit Wartezeiten): Wer selbst kündigt oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, kann bis zu zwölf Wochen kein Arbeitslosengeld bekommen.
  • Das Arbeitslosengeld I wird vom pauschalierten Nettoentgelt berechnet, nicht vom tatsächlichen Netto. Die Beispiele sind deshalb Näherungen.
  • Nach dem Arbeitslosengeld I zählt das Vermögen: Beim Grundsicherungsgeld gibt es altersabhängiges Schonvermögen, aber keine unbegrenzte Reserve.
  • Auch ein hoher Notgroschen ist nicht kostenlos: Geld auf dem Tagesgeld hat in der Regel niedrigere erwartete Erträge als langfristig angelegtes Geld. Diese Abwägung hat keine allgemeingültige Antwort, sie hängt von Einkommensstabilität, Haushaltsform und Lebensphase ab.
Wie viel Notgroschen braucht eine vierköpfige Familie?
Die Faustregel nennt drei bis sechs Monate Fixkosten, bei 3.500 Euro Fixkosten also 10.500 bis 21.000 Euro. Genauer ist der Fehlbetrag nach einem Einkommensausfall mal die Monate: Bei einer Alleinverdiener-Familie mit 3.400 Euro Netto und 2.900 Euro Fixkosten sind es im ersten Jahr nach Jobverlust rund 7.460 Euro, bei zwei stabilen Einkommen oft deutlich weniger.
Sind drei bis sechs Monatsgehälter oder Monatsausgaben gemeint?
Üblicherweise Monatsausgaben, genauer die Fixkosten, die weiterlaufen. Monatsgehälter überschätzen den Bedarf, wenn du weniger ausgibst, als du verdienst, und unterschätzen ihn, wenn die Fixkosten hoch sind.
Wie lange zahlt das Arbeitslosengeld I?
Für Menschen unter 50 Jahren mit mindestens 24 Beitragsmonaten bis zu 12 Monate. Die Höhe beträgt rund 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit mindestens einem Kind rund 67 Prozent.
Wo liegt ein Notgroschen typischerweise?
Üblicherweise auf Girokonto oder Tagesgeld, weil er jederzeit verfügbar sein soll. Anlagen mit Kursschwankungen oder Bindung wie ETF oder Immobilien zählen deshalb meist nicht zum Notgroschen.
Brauchen Selbstständige mehr Notgroschen?
Rechnerisch ist der Fehlbetrag höher: Ohne freiwillige Arbeitslosenversicherung gibt es kein Arbeitslosengeld I, er entspricht den vollen Fixkosten. Viele Quellen nennen deshalb sechs bis zwölf Monate.

Die Beispiele sind Modellrechnungen mit angenommenen Zahlen und keine Beratung. Dein Haushalt ist anders. Miravel rechnet mit deinen Einnahmen, deinen Fixkosten und dem Einkommensausfall, den du durchspielen willst, und zeigt, wie viele Monate dein Haushalt trägt.

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